Therapiekonzepte bei Tennis- und Golfellenbogen

Die Krankheitsbilder des Tennisellenbogens („Epicondylopathia radialis“) als auch des Golfellenbogens („Epicondylophatia ulnaris“) begründen sich beide durch die anatomische Besonderheiten im Ellenbogenbereich. Die komplette Streckmuskulatur des Unterarms und der Hand haben ihren Ursprung an einer eng umschriebenen Knochenstelle des unteren äußeren Oberarmknochens, dem Epicondylus radialis. Bei einer muskulären Überlastung durch vermehrte gleichförmige kraftvolle Arbeit (z.B. Tennisspielen mit wiederholten kraftvollen Aufschlägen oder z.B. kraftforderndes Eindrehen von Schrauben) wächst (hypertrophiert) der Muskel und gibt dann nicht nur seine Kraft über die Sehnen an die Finger ab, sondern zerrt auch vermehrt an seinem Ursprung am Epicondylus radialis. Dies führt zum Krankheitsbild des „Tennisellenbogens“ mit initialer Entwicklung einer schmerzhaften Entzündung und später zu einer Lockerung des Interfaces zwischen Sehne und Knochen, in beiden Fällen hinterlässt es jedoch eine deutliche Kraftminderung selbst bei kleinsten Bewegungen. Die gleiche Situation findet sich an einer ebenfalls eng umschriebenen Knochenstelle des unteren inneren Oberarmknochens, dem Epicondylus ulnaris, an dem die komplette Beugemuskulatur des Unterarms verankert ist. Überlastungen (z.B. durch wiederholte Golfabschläge) führen zum Krankheitsbild des „Golfellenbogens“.

Foto zeigt das Portrait von Dr. Bethke Facharzt für Orthopaedie und Unfallchirurgie

Dr. med. Robert Bethke, MHBA

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Diplom-Osteopath (DAAO)

Fax: 04131-405100

Die Therapieprogramme für Tennis- und Golfellenbogen

Nach akuter Überlastung treten die belastungsabhängige Schmerzen innerhalb weniger Stunden bis Tage ein. In dieser Krankheitsphase ist die Entzündung am Knochenansatz führend (Epicondylitis).

In dieser Situation (innerhalb der ersten 12 Wochen nach Schmerzbeginn) sollten aus unserer Sicht folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Sofortige Schonung der oberen Extremität im Sinne von Unterlassen der schmerzauslösenden Tätigkeiten
  • Verordnung einer Epicondylitis-Bandage zur sensomotorischen Herunterregulation der maximalen Kraftentwicklung
  • Infiltration des Muskelursprungs der Streckmuskulatur / Beugemuskulatur mit Lokalanästhetikum und Kortison (Lipotalon)
  • Nach Rückgang der akuten Symptome Verordnung von Physiotherapie zur muskulären Detonisierung und Erlernen von Eigentherapiemöglichkeiten

Natürlich muss dieses Grundprogramm auf die individuelle Krankheitssituation des Patienten angepasst werden, was nur nach ärztlicher Untersuchung und Beratungsgespräch möglich ist.

Wenn die Beschwerden mehr als 12 Wochen anhalten oder bereits auswärts ohne Besserung vorbehandelt sind, kommt dieses Therapieprogramm zur Anwendung. In dieser Therapiestufe steht eine Schmerzlinderung, eine nichtinvasive Entzündungshemmung (sofern noch eine Entzündung vorhanden ist), ein Rückgang der Schwellung und der Start der Muskelursprungsregeneration im Vordergrund.

  • Ausführliches Beratungsgespräch zur Trainingsberatung und zu Eigentherapiemöglichkeiten der Patientin/des Patienten.
  • Rezeptierung und dauerhaftes Tragen beim Gehen einer speziellen Epicondylitisbandage
  • Bei Bedarf entzündungshemmende Medikamente (NSAR) als Tablette oder als äußerliche Anwendung. Hierfür kommen z.B. Diclofenac oder Ibuprofen zur Anwendung.
  • Laser-Akupunktur des Muskelursprungs am Ellenbogens 10x – 15x
  • Fokussierte Stoßwellentherapie des Muskelursprungs am Ellenbogen 3x – 5x
  • Sehnenaufbauinfusion 15x

 

Im individuellen Einzelfall kann dieses Programm noch durch folgende Maßnahmen ergänzt werden:

 

Achtung: Lokale Kortisoninfiltrationen im chronischen Stadium können eher zur Beschwerdeverstärkung führen und sind aus unserer Sicht kontraindiziert!

Selbstverständlich muss dieses Behandlungsprogramm auf die Krankheitssituation des individuellen Patienten angepasst werden, weshalb vorher immer eine ärztliche Beratung erfolgen sollte.

Sind die Maßnahmen der Stufe 1 ausgereizt, eventuell interagierende Störungen ebenfalls therapiert, aber immer noch keine wesentliche Besserung vorhanden, kommen die Maßnahmen der Stufe 2 zu Anwendung:

 

An diesem Punkt ist bei der Vielzahl der Möglichkeiten eine individuelle Therapieplanung nach ausführlichem Beratungsgespräch unumgänglich. Der Übergang zur Therapiestufe 3 ist dabei fließend. Die individuellen Wünsche des Patienten sind zwingend in der Therapieauswahl zu berücksichtigen. Grundsätzlich gilt, dass die Therapie der der chronischen Epicondylopathie Zeit braucht!

Teilweise werden aufgeführte Therapien trotz aktuellem Facharztstandard nicht von allen Kostenträgern erstattet.

Wird der Leidensdruck zu groß, die Therapiedauer zu lang oder die vorgeschlagene neuere Therapie (z.B. PRP) nicht vom Kostenträger übernommen, ist eine operative Therapie der Sehnenansätze unumgänglich.

Dabei stehen minimalinvasive und klassisch-offene Verfahren zur Verfügung. In unserer Praxis können aus dem minimalinvasiven Spektrum folgende Eingriffe angeboten werden:

  • Lasergestützte minimalinvasive Denervation des Epicondylus radialis
  • Minimalinvasive Durchführung der OP-Methode nach Hohmann des Epicondylus radialis

 

Sollte sich die Patientin/der Patient nach ausführlicher Beratung für einen klassischen offenen Eingriff (z.B. OP nach Goldie, Hohmann oder Wilhelm) entscheiden, vermitteln wir zu dem individuell besten Operateur.

Weitere Fragen

Im Internet finde ich noch ganz andere Therapieansätze? Sind die auch sinnvoll?

Tatsächlich findet man bei der Internetrecherche ganz viele und sehr unterschiedliche Therapieansätze beim chronischen Tennis- und Golfellenbogen. Aufgrund der unklaren Ausgangsbedingungen (akutes versus chronisches Auftreten? Begleitpathologien z.B. in HWS, Schultergelenk und Handgelenk? Ellenbogeninstabilität?) sind die einzelnen Therapien aber teilweise nicht vergleichbar. Weiterhin ist bei chronischen Verlaufsformen meist keine Entzündung mehr vorhanden, sondern eine strukturelle Schwäche des Sehnen-Knochen-Interfaces sowie ein Untergang (Degeneration) von Sehnenansatzgewebe.
Wir möchten nicht ausschließen, dass es eventuell auch andere brauchbare Therapieansätze gibt. Mit dem hier vorgestellten Therapieprogramm haben wir als Orthopädie am St. Lambertiplatz aus unserer Sicht einen erfolgreichen Kompromiss aus schulmedizinischen Standards, komplementären Ansätzen und Erfahrungsheilkunde gefunden.

Welchen Stellenwert hat die Physiotherapie bei der chronischen Epicondylopathie?

Während im akuten Stadium die akute muskuläre Überlastung im Vordergrund steht und somit hervorragende Ansätze für physiotherapeutische Ansätze (z.B. Cyriax-Querfriction mit anschließenden Dehnübungen) existieren, nehmen mit zunehmender Krankheitsdauer infolge der zunehmenden Verlagerung zu einer strukturellen Lockerung des Sehnen-Knochen-Interfaces die physiotherapeutisch sinnvollen Optionen ab.
Für uns ist in diesen Phasen die Physiotherapie eher wertvoll, um Begleitpathologien – insbesondere der HWS-Nacken-Schultergegend – qualifiziert mitzubehandeln, um durch Entlastung von gebietsfremden Einflüssen der Ellenbogenregion genügend Ressourcen zur Regeneration zu bieten.

Können klassisch-offene Operation der Epicondylopathie auch in der Orthopädie am St. Lambertiplatz durchgeführt werden?

Nein. Wir führen nur interventionelle Therapien durch, die mittels Einmal-Verbrauchswaren durchführbar sind. Aufgrund des aus unserer Sicht dysfunktionalen und inhaltlich deutlich übertriebenen Bürokratiewahnsinns der aktuellen Hygienevorschriften haben wir die Instrumentenaufbereitung von OP-Instrumenten trotz vorhandener guter fachliche Qualifizierung für diese Eingriffe aufgegeben.

Sollte es sich nicht vermeiden lassen, eine Operation durchführen lassen zu müssen, vermitteln wir Sie selbstverständlich gerne an die richtigen Spezialisten für diesen Eingriff!

Unsere sportmedizinischen Therapiekonzepte

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Dr. med. Robert Bethke, MHBA

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